Schoner FRIDTJOF NANSEN

 

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Traditionssegler

Großtoppsegelschoner  Fridtjof Nansen

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- Zugriffszähler sedit 6.11.2001


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  http://www.FNansen.de

Schiffs-Handy: 0172-5433374

Eigner: Kapitän Hanns Temme


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Der Großtoppsegelschoner "FRIDTJOF NANSEN" lief 1919 auf der Kalundborg Skibsvareft als Gaffelschoner mit Hilfsmotor unter dem Namen "Edith" vom Stapel und führte später noch die Namen "Frederick Fischer" und "Gertrud II".

1991/92 wurde das Schiff in der Peenewerft in Wolgast/Pommern im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zum Dreimast-Großtoppsegelschoner umgebaut und erhielt eine dänische Callesen 4 Zylinder 191 KW Diesel-Maschine mit Verstellpropeller.  Schiffslänge: 52 m, Breite: 6,80 m, ca. 850 qm Segelfläche

Im Juni 2005 lief im ARD-Programm eine Serie über deutsche Auswanderer nach Amerika auf einem Segelschiff namens "BREMEN" um 1850, die auf der „Fridtjof Nansen“ mit Kapitän Hanns Themme gefilmt worden war.

Das Schiff hält sich im Sommer meistens in Nord- und Ostsee, im Winter in kanarischen Gewässern auf, unternahm aber auch bereits Fahrten über den Atlantik und Pazific nach Ecuador und bis zu den Galapagos-Inseln. 


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Tagebuch einer Segeltour auf SS „Fridtjof Nansen“ 

Ein Reisebericht aus dem Jahr 2000:

1997 begegnete ich dem Dreimast-Traditionssegler und Jugendschiff „FRIDTJOF NANSEN“ und seinem Kapitän und Eigner Hanns Temme zum ersten Mal an der Überseebrücke in Hamburg, als ich ihm dort mein Buch „Seemannsschicksale“ vorstellte und sofort freundlich zum Mittagessen in die Messe eingeladen wurde.  Hanns Temme bot mir damals eine Mitreise in der Stammcrew an, die ich zu jener Zeit nicht verwirklichen konnte.  Ich verfolgte das Schiff eine Weile im Internet, bis ich die Internet-Adresse eines Tages nicht mehr finden konnte und glaubte bereits, der Verein sei pleite gegangen.  Man hatte sich, was ich nicht wusste, eine neue HP-Adresse zugelegt.  

Im September 2000 traf ich das Schiff zufällig in Travemünde wieder und vereinbarte mit Hanns Temme eine zweiwöchige Schnuppertour.

Von Travemünde aus war die „Fridtjof Nansen“ nach Stralsund gesegelt, um dort in der Volkswerft mit einem Kraftakt der Stammcrew überwiegend mit Bordmitteln überholt zu werden, hatte dort anschließend zehn Schüler an Bord genommen und die ersten kurzen Probetörns um Rügen gemacht. 


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Sofort nach Abschluss meiner langfristigen Zahnarztbehandlung am 5. Oktober 2000 wollte ich einsteigen und telefonierte mehrfach mit dem Schiff in Stralsund, wann und wo sich die günstigste Gelegenheit zum Zusteigen bieten würde.  Einige Tage zuvor hatte ich die im Seemannsheim stattfindende Gepäckversteigerung dazu genutzt, mir preisgünstig einen Seesack und Ölzeug zu besorgen, um zünftig ausgerüstet an Bord gehen zu können.

Am Freitag, dem 6.10.2000 soll die „Fridtjof Nansen“ von Stralsund aus in Travemünde eintreffen.  Ich breche morgens in Rissen auf, schaffe meinen bereits zwei Tage vorher gepackten schweren Seesack per Auto zum S-Bahnhof, wo ich ihn per Fahrradschloss sichere, das Auto zurückbringe und mich dann mit meinem kleineren Rucksack zu Fuß zur S-Bahn begebe.  Am Hauptbahnhof besorge ich mir die Fahrkarte nach Travemünde und besteige den Zug nach Lübeck, wo ich umsteigen muss.  

Vom Bahnhof  aus aste ich mein Gepäck schweren Schrittes zum Liegeplatz an der Kaiserbrücke, wo das Schiff kurz zuvor festgemacht hatte.  Hanns Temme begrüßt mich und macht mir klar, dass an Bord kein „Sie“ üblich sei.  Ich hatte es mir bereits gedacht und bin voll anpassungsbereit.  Er zeigt mir meine Kammer, stellt mich der in der Messe zum Mittagessen versammelten Crew als ehemaligen „Seemannspastor“ vor, der vorübergehen mitsegeln werde und lädt mich zum Mitessen ein. 

Neben den zehn vierzehn bis 17jährigen Schülern, überwiegend aus Waldorfschulen, befindet sich noch ein Dutzend junger 17- bis 30jähriger Erwachsener als Stammcrew an Bord.  Diese jungen Leute sind teilweise seit Jahren immer mal wieder dabei und des Segelns und Navigierens mehr oder weniger sicher.  Andere sind zum ersten Mal an Bord.  Einige kommen aus Handwerksberufen: Telekommunikationselektroniker, Heizungsbauer, Elektriker, etc und machen sich in der Maschine, im Workshop (Werkstatt) oder an Deck nützlich.  Alle sind, wie ich in den kommenden zwei Wochen feststellen kann, sehr engagiert, einsatzfreudig und fleißig.  An Bord sind männliche und weibliche Crewmitglieder absolut gleichberechtigt.  Unter den Schülern bilden die Jungen die Mehrheit.  In der Stammcrew ist das Verhältnis ausgeglichener.  Einige junge Damen sind als Steuerleute und Toppsgasten (Wachführer) tätig und außerordentlich kompetent.

Die mir zugewiesene kleine Kammer im Deckshaus neben der Kombüse hat vier Kojen, je zwei übereinander, mehrere kleine offene Schrankfächer, einige Kleiderhaken und drei Bullaugen.  Die Eisenwände sind unverkleidet.  Der Elektroheizkörper ist während meiner Mitreise einmal für etwa drei Stunden zur Probe an und wird dabei lauwarm.  Ansonsten herrscht in der Kammer Tag und Nacht die im Oktober übliche Außentemperatur von vier bis vierzehn Grad Celsius, so dass sich nachts die Atmungsfeuchtigkeit an den Eisenwänden niederschlägt.  Nasse Handtücher oder schweißfeuchte Wäsche trocknet dabei nie.

Am ersten Nachmittag haben wir trockenes Wetter und es scheint in Travemünde zeitweilig eine barmherzige Sonne.  Viele Touristen kommen von der Promenade auf die Kaiserbrücke, um das stolze Schiff, den 52 m langen und 6,80 m breiten Großtoppsegelschoner „Fridtjof Nansen“ mit seinen drei bis zu 32 m hohen Masten zu bewundern.  

Gegen Abend kühlt es merklich ab.  Um warm zu werden, lege ich nach Einbruch der Dunkelheit auf der Promenade einen Dauerlauf ein.  In der ersten Nacht werde ich unter meiner mitgebrachten Schafschurwolleinziehdecke und frottierter Bettwäsche nebst zusätzlichen Schiffsdecken nicht warm.  Einige Tage später leiht Hanns mir einen Schlafsack, so dass ich nachts nicht mehr frieren muss.

Samstag, 7.10.2000:  Nachdem ich mich am frühen Morgen im Duschraum - wie auch sonst immer – gründlich kalt gewaschen habe, ziehe ich zusätzlich alles an, was ich mitgenommen hatte: Zum üblichen Unter-, Oberhemd und Lederweste kommt noch ein T-shirt, ein Pullover, eine Strickjacke, Schal, Handschuhe und der Parker, unter die Cordhose ziehe ich noch eine Jogginghose.  Auch ein zweites Paar Socken muss her.  Nur wenn ich einen längeren Gang in die Stadt mache oder körperliche Arbeit leiste, muss ich die zusätzlichen Sachen wieder auslassen, weil ich bei Bewegung warm werde und ins Schwitzen komme.  Bei ruhigem Aufenthalt an Deck oder in den Schiffsräumen brauche ich fast ständig diesen dicken Kleidungsschutz.  Auf See ziehe ich an Deck zusätzlich noch mein Ölzeug als Windschutz darüber.

Morgens bin ich meistens als Erster auf, ausgenommen die gerade tätige Wache oder Backschaft.  An diesem Morgen unternehme ich einen Gang durch Travemünde, um mich nach geeigneten Geschäften umzusehen, bei denen ich verschiedene Sachen zu besorgen gedenke.  Nach dem Frühstück kaufe ich dann einen Filzschreiber und lasse mich von Hanns aufklären, wie er sich die Neuordnung der Bücherei an Bord vorstellt, die er mir bereits bei meinem Bewerbungsbesuch im September ans Herz gelegt hatte.  Er gibt mir für dieses Vorhaben bunte Klebeband- und Krepppapierrollen.  So beschrifte, beklebe und ordne ich zunächst einige Tage lang die große Bücherei im „Things“, einem Schlaf- und Aufenthaltsraum unter der vorderen Luke im Schiff.  Die bereits grob vorsortierten Bücher ordne ich nach Rubriken wie „Romane“, „Krimis“, „Biographien“, „Politik und Gesellschaft“, „Geschichte“, „Zeitgeschichte“, „Reiseberichte“, „Seefahrt allgemein“, „Segeln“, „Schulbücher“, „Medizin“, „Hobby“, „Bildbände“, „fremdsprachige Bücher“.

Nach dem Mittagessen beteilige ich mich an dem Ausflug der Schüler per Trave-Fähre zur „Passat“, den in Travemünde auf der Priwall-Seite fest stationierten ehemaligen Großsegler, auf dem Hanns uns fachkundig führt.  Das Schiff war Anfang der 50er Jahre nach dem Pamir-Unglück aus dem Verkehr gezogen und von der Stadt Lübeck erworben worden.  Ein durchaus beeindruckendes Schiff!

Anschließend betreue ich an der Pier den PR-Tisch der „Fridtjof Nansen“, erteile Auskünfte, gebe Prospekte mit oder verkaufte Ansichtskarten vom Schiff.  Nach dem Abendessen arbeite ich noch gut eine Stunde an der Bücherei.  Vereinseigene Handwerker arbeiten den ganzen Tag an Bord an der Wasserleitung.  Es werden neue Leitungen geschweißt und eine neue Süßwasserpumpe installiert.  Zeitweise gibt es daher kein Süßwasser an Bord.  Die Toilettenspülung erfolgt mit Seewasser.

Sonntag, 8.10.2000:  Zunächst arbeite ich nach dem Frühstück weiter an der Bücherei.  Am Nachmittag übernehme ich den PR-Tisch an der Pier und biete dabei auch meine maritimen Bücher an.  Den 1. Band der „Seemannsschicksale“ verkaufe ich einem ehemaligen A5-Nautiker.  Der Buchhändler-Anteil geht an die Schiffskasse.  Die vielen interessierten Touristen nehmen meistens eine Schiffs-Ansichtskarte mit Bordstempel sowie Gratisprospekte mit.  Ein Verleger bietet mir den Druck meiner Bücher zu einem „attraktiven Preis, aber in besserer Qualität“ an.  Er will mir ein Angebot machen.  Er sei gerade an maritimen Projekten interessiert, weil er aus einem Seefahrts-Umfeld stamme.  Solange tagsüber die Sonne scheint, ist es draußen ganz angenehm, unter Deck jedoch ziemlich kalt.  Der Fähr- und Ro-Ro-Schiffsverkehr auf der Trave ist wesentlich intensiver, als ich es gedacht hätte.  Ständig laufen recht große Schiffe ein und aus.  Unter Deck entsteht durch die Unterwassergeräuschübertragung ein Ton, als ob ein prasselnder Regen an Deck niederginge.  Es kommen bei mir Assoziationen an den U-Boot-Film (und Buch) „Das Boot“ auf, in dem der Boot-Besatzung panischer Schrecken in die Glieder fuhr, wenn ein feindliches Schiff sich über dem getauchten Boot mit ähnlichen Geräuschen bewegte und man den Abwurf der gefährlichen Wasserbomben befürchtete.

Montag, 9.10.2000:  Ordne weiterhin die Bücherei.  Wegen Regen kein PR-Tisch an der Pier.  Trotzdem viele interessierte Touristen am Schiff.  Die Schüler waren gestern zum Schwimmen im Hallenbad, während ich in der Bücherei arbeitete.  Eiskaltes Duschen am Morgen bringe ich nicht über mich.  Habe auch Angst, mir bei Auskühlung was weg zu holen.   Da es schwierig ist, in der fast ständig benutzten Dusche zum passenden Augenblick auch warmes Wasser vorzufinden, will ich versuchen, die mit dem Schwimmbad verbundene Sauna zu besuchen.  Voraussetzung ist, dass ich dort ein Saunatuch ausleihen kann, das ich natürlich nicht im Seesack mitnehmen konnte.  Gleich nach dem Mittagessen mache ich mich auf den Weg und habe Glück:  Ich bekomme für 5 DM ein Tuch und finde eine sehr schöne Sauna vor, kann auch das schöne Schwimmbad inklusive benutzen.  Zwar habe ich keinen Bademantel dabei, aber es geht auch so.  Die Wärme tut gut, und die Körpergrundreinigung ist für etwa eine Woche gesichert.  Ich gehe früh ins Bett, da müde von der Sauna und es im Bett am wärmsten ist.  Hanns ist von Bord.  Er bleibt mehrere Tage weg.  Wie ich später von ihm höre, war er in Hamburg bei seiner Mutter und hatte wichtige Behördenangelegenheiten zu erledigen.

Dienstag, 10.10.2000:   Es sollte am Vormittag losgehen.  Gegen 16 Uhr sind wir jedoch immer noch nicht ausgelaufen.  Hanns ist noch unterwegs.  Sobald er wieder an Bord ist, soll es losgehen.  Ich war am Vormittag mit dem Bordroller zum Einkaufen beim etwa anderthalb Kilometer entfernten Aldi-Laden, um etliche Sauerkraut- und Ananasdosen, Suppenbrühinstant, Zwiebeln und Kartoffeln einzukaufen (Warenwert: 18 DM) und holte anschließend vom Schlachter 35 Kochmettwürste (47,- DM).  Ohne Roller hätte ich die Warenmenge nicht transportieren können.  Auf See will ich in den nächsten Tagen Backschaft machen.  Da muss man vorplanen und vorher an Land einkaufen.

Heiko Temme, der Sohn des Kapitäns, kümmert sich zusammen mit Georg aus Hamburg und Jonny, einem Diplomingenieur und Spezialisten für alte Schiffe aus Övelgönne, um das Technische an Bord.  Jonny arbeitet offenbar auch für den Museumshafen in Hamburg.  Sie schweißen die neuen Rohrleitungen für die Wasserversorgung.  Die fertigen Leitungen gehen dann zum Verzinken mit nach Hamburg und sollen in Apenrade zum Einbauen wieder an Bord kommen.  Heiko ist ein immer freundlicher, offener und sehr umgänglicher Typ, technisch vielseitig versiert und gestaltet auch die Homepage des Seglers: www.FNansen.de.  Er wohnt in Wedel in der Moorwegsiedlung, also „gleich nebenan“ bei mir.  Er zeigt mir den Maschinenraum.  Im Mittelpunkt steht die 4-Zylinder-Callesen-Diesel-Hauptmaschine mit 191 KW und Verstellpropeller.  Dann folgt in der Wichtigkeit ein Generator für die 220 V-Stromversorgung, mit dessen Hilfe auch die 24 V-Akkus geladen werden.  Beim Segeln wird die Schiffsbeleuchtung incl. Positionslampen mit 24 V-Strom versorgt.  Im Hafen gibt es meistens (aber nicht immer!) 220 V-Landstrom.  Warmwasser aus der Leitung gibt es in der Kombüse oder Dusche nur, wenn durch Landstrom oder Generator die 220 V-Stromversorgung sichergestellt ist, bei längeren Segeltörns also nicht.  Dann muss auch mit Licht gespart werden.  Ein zweiter Generator steht auf dem Deckshaus direkt über meiner Kammer und verursacht bei Betrieb einen Höllenlärm.  Er wird bei notwendigen Decksarbeiten (Flexen, Schleifen) gefahren, wenn kein Landstrom vorhanden ist.  Im Maschinenraum findet man noch eine uralte Einzylinder-Lanz-Feuerlöschpumpe, einen Kompressor für Start-Druckluft (zum Starten der Hauptmaschine), Elektro-Schaltschränke, vier Öltanks und eine Bilgenölpumpe.  Einer der vier Zylinder der Hauptmaschine hat einen Defekt, den die Spezialisten tagelang nicht diagnostizieren können.  So muss das Schiff einige Tage mit nur drei Zylindern fahren.

Am Nachmittag wird ein Gaffelsegelmanöver für die Schüler angesetzt:  Üben im Hafen für den Ernstfall auf See. 

Mittwoch, 11.10.2000:  Hanns ist noch nicht zurück.  Bis mittags immer noch nicht ausgelaufen.  Die Backschaft hat das Mittagessen total versaut:  Die roten Bohnen sind mit Chili dermaßen scharf gewürzt, dass man sie nur mit großer Überwindung essen kann.  Es bleibt viel übrig. 

Großes Aufräumen an Bord.  Ich helfe mit, den Workshop aufzuräumen und zu säubern.  Die Things-Bücherei ist so gut wie fertig.  Mittags mit PR-Kasten an der Pier.  Hanns ist wieder da.  Nach dem Abendessen soll es losgehen.  Die Gangway wird abgebaut, Landstromkabel eingeholt.

Wir sind heute nicht mehr ausgelaufen, weil Sturmböen vorhergesagt wurden.  Es sei unseemännisch, bei solchen Prognosen ohne wichtigen Grund rauszugehen.  Wenn man draußen von schlechtem Wetter überrascht wird, müsse man da durch.  Aber man solle sich nicht Gefahren aussetzen, die vermeidbar sind, meint Hanns.  Auslaufen auf morgen früh, 6 Uhr, verschoben, falls kein Nebel. 

Hanns ist ein durch und durch gelassener und Ruhe ausstrahlender Typ: Philosoph, Naturmensch, guter Pädagoge, Kaufmann und Nautiker in einem.  Er duscht morgens kalt, läuft in Sandalen und Pullover über Deck, wenn unsereinem tief verhüllt immer noch fröstelt.  Von Hektik hält er gar nichts.  Er hat immer viel Zeit und bleibt auch in kritischen Situationen stets gelassen und cool.  Sein Vater war auch Nautiker und kam im 2. Weltkrieg als U-Boot-Kommandant uns Leben.  „Ich wuchs in Rissen am Klövensteenweg auf.  Meine Mutter hatte es nicht ganz einfach mit mir und drohte mir öfter mit dem Erziehungsheim, wenn ich widerborstig war.  An die Schulzeit habe ich keine gute Erinnerung.  Zwang und Leistungsdruck war mir immer zuwider.“  Nach der Schule ging er zur See.

„Als man mich im Alter von 17 Jahren, obwohl ich das Zeugnis bereits in der Tasche hatte,  nicht zum Leichtmatrosen befördern wollte, um die Differenzheuer zu sparen, ließ ich mir das nicht gefallen und nahm meinen Sack.“  Er studierte nicht nur Nautik, sondern auch Betriebswirtschaft und fuhr seit dem 31. Lebensjahr weltweit als Kapitän, zuletzt auf Containerschiffen.  1981 erwarb er die 1919 als Gaffelschoner „Edith“ auf der Kalundborg Shibsvareft“ in Dänemark vom Stapel gelaufene „Fridtjof Nansen“, damals noch ein Kümo unter dem Namen „Gertrud II“, mit dem Plan, daraus einmal  wieder einen Segler zu machen.  Nach der Wende baute er das Schiff unter eigenem Management mit 200 ABM-Kräften auf der ehemaligen Wolgaster Marinewerft 1991/92 zum Großtoppschonersegler mit Schoner- Groß- und Besanmast als riskantes Millionenprojekt um.

Donnerstag, 12.10.2000:  Um 5.15 Uhr krieche ich aus der warmen Koje und wasche mich in dem noch nicht umlagerten eiskalten Duschraum, dessen großes Bullauge zum Lüften fast immer offen steht.  Trotzdem trocknet der Raum nie und der Rost breitet sich an kritischen Punkten unter dem Wandlack aus. 

Um 5.45 h startet die Hauptmaschine.  Das abends wieder gelegte Landstromkabel wird nun endgültig eingeholt.  Hanns steht auf dem Achterdeck am Ruder und gibt die Kommandos.  Die Leinen werden von vorne her nacheinander gelöst.  Die achterste Leine bleibt vertäut.  Ein Mann (Simon) bleibt auf der Pier, während sich unser Schiff in einer Pause zwischen den ständig die Trave auf und ab fahrenden Fährschiffen in der Dunkelheit mit Maschinenkraft langsam mit dem Bug von der Pier löst und an der Heckleine dreht.  Die Bordwand wird derweil von mehreren Leuten mit Fendern (alte Autoreifen) vor Beschädigungen gesichert.  Als das Schiff genügend gewendet hat, löst der auf der Pier verbliebene Simon die Heckleine und klettert über die Reling aufs Schiff zurück.  Wir sind los von der Pier und steuern zwischen den Fähren aus der Trave in die Lübecker Bucht.  An Steuerbord die fast unbeleuchtete mecklenburgische Küste, backbordseitig der erleuchtete Kurort Travemünde.  Je weiter wir auf See kommen, um so heller wird die Morgendämmerung.  

Es ist ein frischer, klarer Morgen.  Im Hafen weht ein leichter Wind.  Auf See frischt er auf.  Die Segel (aber nicht alle) werden gesetzt, der Motor abgestellt.  Ruhig gleitet das Schiff, nur vom Wind getrieben, über das Wasser.

Als es ganz hell ist, kann man an Steuerbord nach Boltenhagen, zur Wohlenberger Wyk, nach Poel und Wismar und später zur Küste vor Kühlungsborn hinüberschauen.  Ich meine, mit dem Glas auch den Iserberg östlich von Grevesmühlen deutlich ausmachen zu können, von dem aus ich als Jugendlicher oft sehnsuchtsvoll auf die Ostsee zu den Seglern hinaus sehen konnte. 

Backbord hinter uns kommt ein Fahrzeug der Bundesmarine schnell heran, stoppt dann und beginnt mit Bordmanövern in ABC-Schutzanzügen, die von uns per Glas gut verfolgt werden können.  

Gegen Mittag segeln wir vor Fehmarn und kreuzen die Vogelfluglinie mit regem Fährverkehr zwischen Puttgarden und RÆdbyhavn.  Zum Mittagessen gibt es noch einmal die scharf gewürzten Chili-Bohnen.  Man hat versucht, mit viel Milch und anderen Tricks zu verdünnen.  Mit Todesverachtung mache ich mich darüber her.  Am nächsten Tag ist auf den immer noch verbliebenen Resten eine vergorene Käseschicht, so dass fast ein ganzer Topf voll an die Fische verfüttert wird.  Es ist an Deck im Windschutz hinter der auf der Luke liegenden Jolle so angenehm „warm“, dass man sich im Liegen sonnen kann.  

Nach vier Stunden wechseln die Wachen jeweils mit einem Ritual.  In Sprechchören wird die Wache übergeben: „Die aufziehende Wache wünscht der abziehenden Wache eine gute Wache!“  Jene antwortet: „Die abziehende Wache wünscht der aufziehenden Wache eine gute Ruhe!“  Auf der Höhe Kiel dämmert es langsam.  Langsam bricht die Nacht herein, in der wir an Langeland, AerÆ und Alsen vorbeisegeln. 

Als ich morgens am Freitag, dem 13.10.2000, gegen 5 Uhr aufstehe, meine ich backbord die Lichter von Fynshav erkennen zu können, wo ich um 1966 direkt am Strand zusammen mit meiner Frau ein Sommerferienlager mit 60 Jungen aus Soest/Westfalen für drei Wochen organisierte und leitete.

Mein biochemisches Gleichgewicht im Magen ist durch die verflixten Chilimahlzeiten total aus dem Lot.  Ich habe zwei Tage lang saures Aufstoßen.  Zusammen mit Felix von der Stammcrew mache ich mich an den Backschaftsdienst in der Kombüse.  Neben der Vorbereitung des Frühstücks mit Bereitung des Obstsalats und der heißen Getränke ist das Mittagessen vorzubereiten: Kartoffelschälen, Wurst, Äpfel und Zwiebel schneiden, Dosen öffnen, anbraten, kochen.  Auf dem kleinen mit Heizöl betriebenen Herd mit nur einer langsam kochenden Feuerstelle ist es ein Kunststück, das Essen rechtzeitig bis 12 Uhr gar zu bekommen.  Sonst koche ich das Gericht in weniger als ¼ Stunde im Schnellkochtopf.  Jetzt bin ich vom frühen Morgen an bis zum Mittag voll damit beschäftigt und froh, dass das Essen wegen des Anlegemanövers in Apenrade bis 13 Uhr hinausgezögert wird, somit doch noch einigermaßen gar auf den Tisch kommt.  Durch das Bullauge der Kombüse kann ich beobachten, wie es hell wird und die weit von uns entfernte Küste von Fünen und später die nahe Jütlandküste des Apenrade-Fjordes langsam an uns vorbeigleitet.  Während der Einfahrt nach Apenrade kann ich an Deck alles verfolgen, da das Essen von selber auf dem Herd weiterkocht und wir bereits das Geschirr in der Messe aufgedeckt haben.

Das Anlegemanöver im Gamle Havn (alter Hafen) von Apenrade dicht an der Durchgangsstraße gestaltet sich wieder interessant, kompliziert und recht langwierig, da wir an der engen Kopfseite des Hafenbeckens festmachen und zwischen Klüverbaumspitze am Bug und dem Heck kaum noch Spielraum bleibt.  Aber Hanns meistert alles routiniert und gelassen.  Die An- und Ablegmanöver sind jedenfalls weitaus komplizierter, als ich gedacht hätte.

Nach dem Festmachen läuten wir die Schiffsglocke zum Essen.  Mein Ananas-Wurst-Sauerkraut-Essen und auch die heiße Brühe aus dem Kartoffelwasser kommt gut an.  Hanns will die Idee mit der Brühe aus dem Kartoffelwasser an Bord etablieren.  Felix überrascht zur Kaffeezeit mit einem selbstgebackenen Kuchen.  Die Unterhaltungen mit Felix in der Kombüse sind sehr interessant.  Er möchte mal Psychologie zusammen mit Mikroelektronik studieren, um beides im Thema „künstliche Intelligenz“ zu kombinieren.  Mit der Backschaft haben wir bis 20 Uhr fast pausenlos voll zu tun.  Unsere Zusammenarbeit klappt hervorragend und wir verstehen uns gut.  Die Rahsegel werden wieder eingepackt.

In Apenrade ist die Motorenfabrik Callesen beheimatet, von der die Hauptmaschine des Schiffes stammt.  So sollen hier nach dem Wochenende am Montag fällige Wartungsarbeiten und Ersatzteilkäufe erfolgen.  Am Abend bei Dunkelheit mache ich einen ersten Bummel durch die Fußgängerzone von Apenrade, einer gemütlichen südjütländischen Kleinstadt, die bis 1918 zum Deutschen Reich gehörte und in der bis heute eine beträchtliche deutschsprachige Minderheit lebt.  Direkt am Hafen entdecke ich die Redaktion der deutschsprachigen Zeitung „Der Nordschleswiger“.  Gegen 22 Uhr krieche ich in meinen Schlafsack.

Samstag, 14.10.2000:  Gegen 6 h kurz zur Toilette auf.  Noch mal bis 6.45 h in den Schlafsack gekrochen.  Nach dem Frühstück tritt die gesamte Crew in der Regel zum „rein Schiff“ an.  Auch ich mache heute meine Kammer mal gründlich sauber, soweit das mit den primitiven Mitteln möglich ist: Besen, den ich vor dem Fegen erst vom Dreck befreien muss, rostige Müllschaufel, deren Griff jeden Moment abzubrechen droht, wenig appetitlicher Feudel, den ich vor Benutzung erst mal ausspüle, kaltes Wasser in der Pütz, Essig-Reiniger.  So gründlich ist die Kammer wohl lange nicht mehr geputzt worden.  Es dauert jedoch trotz Trockenwischens bei geöffneten Bullaugen und Tür eine Ewigkeit, bis die Wischfeuchtigkeit einigermaßen weggetrocknet ist.  Die Bullaugenscheiben bleiben trotz Durchzug bis mittags beschlagen. 

In unserem Hafenbecken liegen seit gestern Abend zwei große Schlepper aus Kiel: „Bülk“ und „Holtenau“.  Ein rotes Kümo „Cimbers“ lud gestern Abend bis in die Nacht hinein an der Pier gestapeltes Holz.  Schlepper und Kümo laufen am Vormittag wieder aus.  Stammcrew und Schüler nähen an einem Gaffelsegel Augen.  Hans ist mit der Qualität der Ausführung nicht zufrieden.  Die Nähte müssen noch mal verstärkt werden.  Irgendwo an Bord wird immer gehandwerkert, auch am Wochenende.  Fange heute an, die nautische Fachbücherei im Navigationsraum neu zu ordnen und zu beschriften. 

Noch mal Gang durch Apenrader Altstadt-Fußgängerzone, diesmal bei Tageslicht.  Laut Schaukasten an der St.Nikolai-Kirche findet sonntags um 16.30 Uhr jeweils ein deutschsprachiger Gottesdienst statt.  Im Ort dänisch-gemütliche Wochenendruhe.  Es kommen immer wieder interessierte oder neugierige Dänen per Cykler (Fahrrad) oder im langsam heranfahrenden und kurz verweilenden Auto zum Schauen ans Schiff.

Sonntag, 15.10.2000:  Stehe um 7 Uhr auf.  Dusche zum ersten Mal warm an Bord: Das tut gut!  Wäschewechsel.  Vor dem Frühstück Spaziergang durch die südliche Stadt.  Das im Stadtplan eingezeichnete Sjömmandshjem (Seemannsheim) wurde inzwischen offensichtlich in ein Marinevereinslokal umgewidmet.  Das Internetcafé hat so früh am Morgen natürlich noch geschlossen.  Nach dem am Sonntag erst um 9 Uhr beginnenden Frühstück helfe ich in der Kombüse bis 11 Uhr beim Abwasch, einmal weil ich mich nützlich machen will, aber auch, weil es in der Kombüse immer warm ist.  Die hygienischen Verhältnisse in der Kombüse sind nicht die besten.  Auf den Küchentischen liegen fast immer viele Brotkrümel, Abfälle etc, dazwischen benutzte nasse Geschirrtücher.  Das Spülwasser ist in der Regel eine trübe Soße. Nachgespült wird mit kaltem Wasser.  Wenn andere Leute spülten, musste man oft beim Abtrocknen Fett und Speisereste von den Bestecks in die feuchten Trockentücher wischen.  Die Abtropfstellagen mit dem gespülten Geschirr werden auf Trockentücher gestellt, die dann anschließend klitschnass sind.  Die Trockentücher sehen grau wie Feudel aus, sind meistens nass, obwohl Sie über dem warmen Herd zum Trocknen auf der Leine hängen und strotzen meistens vor Dreck.  Ich habe, wenn ich Backschaft mache oder freiwillig beim Spülen helfe, die Unsitte mit den Trockentüchern unter der Trotzstellage abgeschafft und die Stellagen gleich in passende Plastikschüsseln gestellt, in die hinein dann das Wasser tropft und anschließend ausgegossen werden kann.  Andere Backschaften machen es mir schon nach.  Man erklärt mir immer wieder, es müsse beim Spülen mit Wasser gespart werden.  Trotzdem wechsele ich mehrfach das Spülwasser, verwende dafür aber weniger und heißes Wasser, das in der Regel zur Genüge vorhanden war, weil der Herd ständig Tag und Nacht brennt.  Dabei verbrauche ich sicher nicht mehr Wasser als die anderen Spüler. 

Nach Nebelauflösung unternehme ich bei schönem mildem Sonnenwetter vor dem Mittagessen um 13 Uhr noch einen ausgedehnten Spaziergang durch den Wald im Nordosten am Apenrader Fjord gleich hinter dem Hafen.

Um 16.30 h nehme ich am deutschsprachigen Gottesdienst der Tyske Menigheden (deutsche Minderheit) in der Nikolaikirche teil.  Der junge Pastor predigt vor ca. neun Besuchern recht gut.  Predigtinhalt und Gehabe eher konservativ für einen so jungen Theologen.

Ordne weiterhin nautische Bücherei.  Ziemlich starker Ostwind.  Längeres Gespräch mit Hanns Temme über seine Weltanschauung und Ziele an Bord:  Die Stichworte „Agenda 21“, „Umweltbewusstsein“, „Zeit lassen“, „Evolution und Kooperation“, „Toleranz“ kommen immer wieder vor.  Heiko kommt am Abend mit Georg und Jonny von Hamburg, um die verzinkten Rohrleitungen anzuliefern und weitere Reparaturen an der Maschine zu erledigen.  Es gibt noch immer Probleme mit einem der Zylinder an der Hauptmaschine.

Montag, 16.10.2000: Stehe gegen 7 Uhr auf.  An der Pier steht bereits der Tankwagen.  Es wird Brennstoff gebunkert, der in dem sonst teuren Dänemark offenbar besonders günstig zu bekommen ist.  Nach dem Frühstück zum gleich gegenüber liegenden Büro des „Nordschleswiger“.  Werde zur Redaktion geführt und überreiche Schiffsprospekte und rege Artikel im Apenrader Lokalteil über unser Schiff an.  Gegen 10 Uhr komm die Lokalredakteurin an Bord und wird von Martin von der Stammcrew und später von Hanns gründlich informiert. 

Heute intensives Rosthämmern, Schleifen, Bürsten, Streichen an Bord und an Schiffsteilen an der Pier.  Trockenes, zum Teil sonnig-diesiges Wetter.  Arbeite weiter an der nautischen Bücherei.

Mache am Abend noch einen Gang durch Apenrade und entdecke die „Landesbibliothek“, die auch diese deutsche Inschrift trägt.

Dienstag, 17.10.2000:  Morgens gleich zum „Nordschleswiger“.  Im Schaufenster hängt die neueste Tagesausgabe mit einem ausführlichen guten Artikel über die „Fridtjof Nansen“.  Nehme gleich mehrere Exemplare mit, schneide den Artikel aus und hefte ihn in der Messe an die Wand.  Mache nach dem Frühstück freiwillig den Abwasch, teils um Hygiene-Vorbild zu praktizieren, teils wegen der Wärme in der Kombüse.  Ca. 10 Uhr zur Landesbibliothek.  Werde an die deutsche Bibliothek verwiesen, die es am andern Ende der Stadt auch noch gäbe.  Bin erstaunt über die Größe dieser deutschen Einrichtung.  Werde zum Leiter durchgereicht, der mir erzählt, er sei auch Segler (ein Bild seines Bootes hängt über seinem Schreibtisch) und wollte, als Diakon Wagner die Deutsche Seemannsmission in Kopenhagen übernahm, auch auf diese Stelle.  Er hat schon den Artikel im „Nordschleswiger“ gelesen und ist gleich bereit, je eines meiner angebotenen drei Bücher für die Bibliothek zu behalten und sofort bar zu bezahlen.

Die nautische Bücherei an Bord fertig beschriftet.  Als Hanns im Hafenkontor die Liegeplatzgebühr entrichten will, wird ihm diese auf Grund des Berichtes im „Nordschleswiger“ erlassen.

Heute am Abend haben wir ruhiges Wetter.  Morgen früh wollen wir gegen 6 Uhr in Richtung Kiel auslaufen, wenn kein Nebel aufkommt.

Mittwoch, 18.10.2000:  Stehe vor 5 Uhr auf.  Im Hafen Windstille im Windschatten der Hafengebäude.  Klare Sicht.  6 Uhr Beginn Ablegmanöver: Im engen Hafenbecken des alten Hafens von Apenrade recht kompliziert. Versuch, wieder über die achtere Leine wie in Travemünde zu drehen, klappt nicht.  Zweiter Versuch über die vordere Spring:  Das Schiff geht rückwärts aus dem Hafenbecken.  In der Dunkelheit sind unbeleuchtete Tonnen gerade noch so zu erkennen.  Apenrade bleibt hinter uns.  Backbord das Elektrizitätswerk mit einem großen Bulk Carrier davor.  Auf dem Apenrade-Fjord fängt es an zu dämmern.  Wir werden diesmal nicht durch den Kleinen Belt gehen, sondern uns an Sonderburg vorbei dicht unter dem Schutz der Küste halten. Beim Eindrehen in den Alsen-Fjord ist es ganz hell.  Es kommen jedoch Nebelbänke auf, so dass wir im Alsen-Fjord vor Eindrehen in den Sonderburg-Kanal für etwa eine Stunde die Anker werfen müssen, um bessere Sicht abzuwarten.  Die Backschaft hat Probleme, das Mittagessen rechtzeitig gar zu kriegen.  Die Durchfahrt unter der Hochbrücke vor Sonderburg ist nur etwa ½ Meter höher als der Windmesser auf der Großmaststenge.  Es stockt einem fast das Herz, wenn die Masten sich der Brücke nähern.  Zur Sicherheit begebe ich mich vor der Durchfahrt lieber auf das Vorschiff.  Vor der Klappbrücke in Sonderburg um die Mittagszeit müssen wir kurz warten.  Dann gehen die Brückenschranken runter.  Der Autoverkehr stoppt und die Klappbrücken gehen hoch.  Eine entgegenkommende Segeljacht geht vor uns durch, dann folgen wir.  Ein Durchfahren von der anderen Seite her soll wegen der starken Strömung wesentlich komplizierter sein.  Alsens Halbinsel Kegnaes bleibt backbord hinter uns.  Bei Sonnenschein liegt Broagerland und dann die Flensburger Förde steuerbordseitig. 

Da der Wind uns ständig von vorn entgegenweht, ist kein Segeln möglich.  Wir fahren den ganzen Tag mit Maschinenkraft.  Die Geltinger Buch an Steuerbord liegen lassend, fahren wir an Angeln vorbei.  Von 16 bis 20 Uhr gehe ich in der Seewache Ausguck.  Es wird gegen Abend an Deck empfindlich kalt.  In Höhe der Schleimündung fängt es an zu dämmen.  Vor dem Marinehafen Olpenitz kreuzt ein aufgetauchtes U-Boot direkt vor uns unseren Kurs.  Hanns fragt mich, welchen Bauwert ein solches Boot wohl habe.  Ich verschätze mich mit meinen 10 Millionen total.  440 Millionen würde ein solches Spielzeug den Steuerzahler kosten.  Damp 2000 leuchtet in der inzwischen eingetretenen Dunkelheit mit seinen Lichtern von steuerbord zu uns herüber.  Backbord voraus wird eine hoch aus dem Wasser ragende Bohrinsel in Höhe Eckernförder Bucht und dahinter noch eine zweite sichtbar.  Während der Überquerung der Eckernförder Bucht, das Schwedeneck vor uns, begebe ich mich zur Bettruhe.  Gegen 0.30 h macht das Schiff am Thießen-Kai am alten Leuchtturm vor den Schleusen in Holtenau fest.  Ich werde wach, als der Motor abgestellt wird.

Donnerstag, 19.10.2000:  Stehe um 6 Uhr auf.  In Brunsbüttel kein Landstrom-Anschluss.   Daher warmes Duschen nicht möglich.  Mache vor dem Frühstück langen Spaziergang am Kanal entlang.  Treffe unterwegs unseren Bordhund Fridtjof, der dann immer in meiner Nähe bleibt.  Helfe nach dem Frühstück wieder beim Abwaschen.  In der Kombüse ist es immer so schön warm!  Am Vormittag mache ich einen Besuch im sehr nahe gelegenen Seemannsheim und treffe dort auf den Zivi, der telefonisch meine Frage weitergibt, ob wir für unser Schiff deutsche Bücher bekommen können.  Da seit einigen Jahren an Bord kaum noch deutsche, eher englische, russische oder spanische Bücher gefragt sind, können wir uns im Bücherkeller reichlich bedienen.  Da Hanns die Bücher selber sichten möchte, kommt er am Nachmittag selber mit ins Seemannsheim.  Einige der kostenlos neu erworbenen Bücher über Ernährungswissenschaft aus den 20er Jahren faszinieren Hanns so stark, dass er sie während der späteren Kanaldurchfahrt gleich studiert.  

Versehe am Nachmittag die Vorschiff-Toilette mit Rolle mit weißer Farbschicht.  Leihe mir dazu einen Overal aus Bordbeständen aus.  Verstaue später Proviantlieferungen. 

Es wurde ½ Tonne H-Tütenmilch, Dutzende Säcke mit Getreide und Kartoffeln, kistenweise Äpfel und Gemüse, Kohl, Steckrüben, Kürbisse in Discountläden und bei Gemüsehändlern eingekauft und angeliefert.  Die Vorräte müssen teilweise für Monate reichen.  Im Things, in den Vorratskammern und in der Messe wird dann nach und nach alles nach Haltbarkeitsdatum sortiert und verstaut, teilweise auch unter den Matratzen der Kojen. 

Die Backschaft kommt heute nicht mit der Zeit zurecht.  Hat auch die Soße total verpfeffert.  Mit Milch, Wasser, Zucker und Mehl und Äpfeln wird „verlängert“.  Es bleibt jedoch stark pfeffrig und schmeckt wie „Knüppel auf den Kopp“.  Da wieder Reste bleiben, gibt es am Abend davon einen Auflauf, den man jedoch erheblich milder hingekriegt hat. 

Am Abend rufe ich Inken an.  Ob ich nicht zu Besuch zu ihr kommen wolle.  Das würde mir zu spät werden.  Morgen will ich einen Rindfleisch-Gemüseeintopf  kochen.  Die Beinscheiben hat man besorgt.  Kartoffeln und Möhren sind genug an Bord.  Nur Sellerie und Porree fehlen noch.  Sie sollen gleich morgen früh besorgt werden.  Wollte schon ersatzweise Weißkohleintopf machen.  So wird es wohl doch noch etwas mit der Gemüsesuppe.  Noch am Abend, als die heutige Backschaft endlich fertig wird, setze ich das Fleisch mit Lorbeerblättern auf: vier große Beinscheiben.  Der Herd kocht so langsam, dass ich die Suppe nach dem Frühstück nicht gar kriegen würde.  So will ich es in der Nacht garen. 

Freitag, 20.10.2000:  Gegen 2 Uhr werde ich wach.  Obwohl ich hundemüde bin, rappele ich mich aus dem Bett, um nach dem Fleisch zu schauen.  Es ist inzwischen wunderbar weich gekocht.  Ich ziehe den Topf an eine nicht so heiße Stelle auf den Herd und stelle die Wasserkessel auf die Flamme.  Nachdem ich mich wieder in meinen Schlafsack verkrochen habe, kann ich nicht wieder einschlafen.  Ich wälze mich bis 4 Uhr hin und her und stehe dann auf, um in Ruhe die Kartoffeln zu schälen und die Möhren zu waschen und zu schneiden, desgleichen einige Zwiebeln.  Das rettet mich. Am Morgen sind auch Kartoffeln und Möhren gar.  Ich gehe noch für 1 ½ Stunden wieder ins Bett.  Die übrige Backschaft nimmt meine Töpfe inzwischen vom Herd, weil dringend heißes Wasser für den Tee und Kaffee gebraucht wird.  Immer noch kommt Proviant an Bord.  Gleich am Morgen treffen Porree und Sellerie in großer Menge ein, von denen ich nun noch einige in einen gesonderten Topf schneide und nach Beginn des Frühstücks gare.  Nach dem Frühstück zweige ich vom Gemüse einen Teil für die Vegetarier ab und vereinige nun das von den Markknochen befreite und zerkleinerte Rindfleisch mit dem Gemüse und die Kartoffeln zum Eintopf.  Pünktlich um 12 Uhr kann ich zum Mittagessen läuten.  Die Suppe schmeckt (jedenfalls mir) phantastisch.  Hanns bemerkt, er sei ein spezieller Suppenfreund.  Wenn er seine Mutter besuche, bereite diese immer eine Suppe für ihn.  Der Porree und die Zwiebeln verursachen allerdings schon bald nach dem Essen außergewöhnliche Blähungen.  Im Bauchraum brodelt es den ganzen übrigen Tag.  Ich habe sehr reichlich gekocht, nachdem ich mehrfach erlebt habe, dass an einigen Tagen das Essen nicht reichte.  So gibt es auch am Abend zum Brot noch einmal Suppe.  Ein kleiner Rest bleibt übrig, weil die Backschaft die Suppe erst nach dem Brot abbietet.  Liegen immer noch in Holtenau am Thießen-Kai.  Rufe am Abend noch einmal Inken an.  Sortiere Quittungen und Rechnungen im Salon für Hanns, klebe und addiere sie auf.  Diesig feuchtes Wetter.

Samstag, 21.10.2000:  Stehe um 5.15 h auf.  Nur die Backschaft ist schon wach.  Vor uns an der Pier liegen ein großes relativ neues Kümo aus Rendsburg, ein kleineres Kümo aus Hamburg und ein Bugsier-Schlepper.  Ich klettere in den Maschinenraum hinunter, wo ich Hans wirken sehe.  Er reinigt gerade mit großer Sorgfalt eine Art Messbecher und füllt damit dann Öl für das Getriebe nach.  Bei der Durchfahrt des Kielkanals dürfe es keine Pannen geben.  Daher überprüfe er lieber persönlich noch einmal alles im Maschinenraum.  Um 6 Uhr startet er die Hauptmaschine.  Anschließend wird die noch im Beiboot befindliche zwei Tage zuvor kostenlos erworbene, von einem anderen Schiff ausgemusterte, Rettungsinsel an Bord geholt, entlüftet und unter Deck verstaut.  Noch bei Dunkelheit legen wir ab.  Um nicht mit dem direkt vor uns liegenden Kümo zu kollidieren, setzt Hans zunächst zwei Meter zurück, um dann nach bewährtem Muster an einer Leine zu drehen.  Wir liegen in der Dämmerung vor der neuen Schleuse und warten auf Order von der Schleusen-Verkehrslenkung.  Aus dem Sprechfunk ist zu entnehmen, dass es offenbar in einer der Schleusenkammern ein Ramming gegeben hat und deshalb ein Protokoll aufgenommen werden müsse.  Dadurch verzögert sich offenbar der Verkehrsablauf.  Plötzlich kommt über Funk die Nachricht, für die „FRIDTJOF NANSEN“ sei nun doch kein Platz mehr in der zunächst vorgesehenen Südkammer.  Wir hätten auf die Nordkammer zu warten.  So dauert der Schleusengang erheblich länger als geplant.  


 

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WEDE-Fachbuchhandlung, Hansepassage, Große Bleichen 36, Tel.: 040-343240.

Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de

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